Der Bilderflüsterer

Eine persönliche Boudoir-Geschichte

Annika. So sehe ich dich.

Ein gemeinsamer Tag

„Kannst Du mir helfen, MICH zu finden?“

Ihre Worte trafen mich, bevor wir uns überhaupt kannten. So begann unsere Geschichte.

Annika wollte diesen Tag für sich. Sich selbst wieder näherkommen und sich mit anderen Augen sehen. Ihr Wunsch stand schon in ihrer ersten Nachricht: MICH zu finden.

1 · Annika

Ein Koffer voller Möglichkeiten

Wir trafen uns in einer Wohnung, in der Annika sich wohlfühlte. Wir stellten ihren Koffer im Wohnzimmer ab. Und dann kippten wir die Wäsche einfach aus.

2 · Annika

In der Küche: Ihre Augen im Fensterlicht

Wir fingen ruhig an. In der Küche, am Fenster, mitten in einer Wohnung, in der gelebt wurde. Ich hatte ihr vorher geschrieben, dass ich mich auf ihre leuchtenden Augen im Fensterlicht freue. Auf den Bildern sind ihr Lachen und die ruhigen Augenblicke gleichermaßen da. Ich brauchte sie nicht in eine andere Frau zu verwandeln. Ich wollte Annika sehen.

3 · Annika

Sich selbst mit anderen Augen sehen

Ihr Wunsch, sich mit einem anderen Blick zu begegnen, blieb bei mir. Bei den Bildern auf dem Bett in der roten Wäsche bekam er für mich eine zweite Seite. Sie konnte sich später von außen ansehen. In diesem Moment aber durfte sie erst einmal in ihrem eigenen Körper sein.

Ich bat sie, sich selbst zu berühren, über sich zu streichen und der Bewegung nachzuspüren. Nicht, um eine Pose für mich zu bauen. Sondern damit ihre Aufmerksamkeit für einen Moment bei ihr selbst ankommt. Die Kamera war da. Aber sie musste für die Kamera nichts leisten.

4 · Annika

Boudoir zwischen Licht und Bewegung

Wir probierten weiter. Mal lag das Licht weich auf ihr, mal wurde es dunkler. Annika wechselte die Kleidung, bewegte sich und entschied mit, was sich richtig anfühlte. Ich gab kleine Anstöße statt fertiger Posen.

Wenn ich diese Bilder ansehe, sehe ich keine Frau, die erst schön werden musste. Ich sehe sie lachen, innehalten, sich zeigen. Ihre Zweifel aus der Nachricht verschwinden dadurch nicht wie von Zauberhand. Aber sie sind nicht alles, was von ihr zu sehen ist.

5 · Annika

Auf der Treppe: So sehe ich dich

An der Treppe zeigte ich Annika ein Bild auf meiner Kamera. Ihr Gesicht strahlte. Ich brauchte ihr nicht zu sagen, wie sie aussehen sollte, oder aus diesem Augenblick eine große Erkenntnis zu machen. Ich konnte ihr das Foto hinhalten und sagen: „So sehe ich dich.“

Besonders die Bilder auf der Treppe liebe ich. Die Frau dort ist dieselbe Frau, die mir geschrieben hatte, sie sei nicht schön und nicht fotogen. Und auch am Fenster, am Tisch oder mitten im Raum bleibt dieser Blick: Sie darf Platz einnehmen. Vielleicht ist das ein Teil des anderen Blicks, nach dem sie gesucht hat.

6 · Annika

Ein weißes Hemd

Zwischendurch zog Annika ein weißes Hemd über. Erst auf dem Sofa, später am Fenster. Mal hielt sie es um sich, mal ließ sie es offen fallen. Wir probierten aus, und sie lachte. Es musste nicht kompliziert sein.

7 · Annika

Unser gemeinsames Spiegelbild

Das Spiegelselfie, das oben schon in der Galerie zu sehen ist, entstand zum Schluss unseres Tages. Annika wollte noch ein gemeinsames Bild im Spiegel. Sie wollte diesen Tag nicht vergessen. Und mir ging es genauso. Wenn ich uns beide dort sehe, denke ich an ihre aufgeregte Nachricht aus dem Bad am Morgen unseres Shootings. Und an die Frau, die später voller Stolz neben mir stand.

Was bleibt

So viel Annika.

Am Anfang stand ihre Frage, ob ich ihr helfen könnte, sich selbst zu finden. Wenn ich heute durch diese Bilder gehe, sehe ich ihr großes Lachen, ihren Humor und die stillen Augenblicke dazwischen. Ich denke an die Wäsche auf dem Wohnzimmerboden, an das Licht in der Küche und an ihr Strahlen auf der Treppe. An einen Tag, an dem wir miteinander geredet, ausprobiert und gelacht haben.

Dieser Tag gehörte Annika. Die Bilder waren für sie – zum Wiederansehen, zum Wiedererkennen, zum Behalten. Wenn ihre Geschichte auch anderen Frauen Mut macht, ist das etwas, das daraus entstehen kann. Ihr Grund für das Shooting bleibt ihr eigener Wunsch, sich selbst wieder näherzukommen.

Die Bilder sind geblieben. Und mit ihnen mein Blick auf eine Frau, die sich mir mit so viel Vertrauen gezeigt hat. Annika, danke, dass du mich so nah an dich herangelassen hast. Auf diesen Bildern sehe ich so viel von dir.

Marc

Dein eigener Anfang

Vielleicht ist es Zeit für dich.

Du musst nicht bereit sein. Neugierig reicht.

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